Bericht Nr. 6: Nichts ist so beständig wie die Veränderung


By Anne - Posted on 24 März 2011

… mein Zelt stand eine Woche auf diesem Stück Wiese von Mary Jo & Stephen; ich gönne mir eine Massage und einen Besuch der heißen Quellen von Hanmer Springs; verbringe einige Stunden in Meditation, fühlend was mein Herz begehrt nach der Tortur der letzten Tage und wie es weiter gehen könnte.
Wie eine Antwort, treffe ich wohl die richtigen Leute am richtigen Ort und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse wieder: das SPA in Hanmer Springs braucht dringend Verstärkung im Team der Massage Therapeuten.
Innerhalb von einem Tag habe ich mein erstes Interview, gebe der Managerin eine Probe-Massage und bekomme zwei Stunden später eine Jobzusage. Alles passiert so überraschend und schnell! Offen und ehrlich gebe ich zu, noch einmal für 2-3 Wochen zurück auf mein Rad steigen zu wollen, um im inneren Frieden mit mir selbst mit dieser ersten Phase des Reisens abzuschließen. Außerdem brauche ich diese Zeit, um mein bisheriges Touristen-Visum in ein Work & Holiday Visum umzuwandeln, um überhaupt eine legale Arbeit aufnehmen zu dürfen.
Ich überlege eine Weile in welche Richtung ich noch einmal aufbreche und mir ist klar, dass ich den Großteil der Südinsel diesen Sommer nun sowieso nicht mehr zu sehen bekomme. Außerdem macht sich ein deutlicher Temperatursturz v.a. nachts bereits bemerkbar – die kalte Jahreszeit steht bevor.
Bereits nach dem ersten Tag stelle ich insgeheim wieder die Frage, warum ich mir ausgerechnet diese Strecke ausgesucht habe: noch einmal 106km unbefestigte Straße auf der Rainbow Valley Road über Neuseelands höchsten Pass Island Saddle. Nach der ersten Nacht überlege ich ernsthaft wieder umzukehren: -8°C und Sturm wie ich es in meinem kleinen Zelt noch nie erlebt habe… An Schlaf wagte ich nicht eine Minute zu denken; vielmehr beschäftigte ich mich damit, ob ich nicht vielleicht besser in das benachbarte Plumpsklo einziehen sollte. Ich verwarf die Idee jedoch sehr schnell wieder, denn ich war mir sicher, dass mein Körpergewicht das Einzige war, was das Zelt überhaupt noch auf dem Boden hielt. Umso dankbarer war ich, als mir am nächsten Tag zehn (!)männliche Gänse-Jäger ein Bett in ihrer Hütte anboten! Sie freuten sich natürlich sehr darüber eine „kleine Blonde“ beherbergen zu dürfen; ich hingegen war heilfroh nicht noch eine Nacht in dem noch stärker gewordenen Sturm verbringen zu müssen. Ich war wirklich bereit für ein paar Sonnentage, die ich auch bekommen sollte: Able Tasman National Park.
Hier habe ich mein Rad für drei Tage gegen ein Kajak eingetauscht und habe statt mit meine Beine, zur Abwechslung mal meinen Oberkörper beansprucht. Leider habe ich im Able Tasman National Park auch mal wieder zu sehen bekommen, was Massentourismus in Neuseeland bedeutet, von dem ich mich durch einige Suche im Endeffekt glücklicherweise fern halten konnte. Aus der Einsamkeit und Wildnis kommend, sind solche Begegnungen dennoch immer wieder erschreckend für mich.
Gemeinsam mit einem Freund, der mich erfolgreich darin eingewiesen hat, wie man sich aus dem Meer ernährt, bin ich also einige Tage auf dem Wasser gereist, habe einsame Buchten und Strände erkundet, Sonnenauf- und untergänge bewundert, der Sonne meine Haut präsentiert und wieder einmal fest gestellt, wie sehr ich dieses Land liebe.
Unglücklicherweise habe ich zeitgleich eine Nachricht vom Immigration Department erhalten, dass ich mich einem medizinischen Test unterziehen muss, weil ich voraussichtlich länger als 12 Monate im Land bin. Um mehr als NZ$500 ärmer, einer Blutabnahme, Röntgenaufnahme und 30 Seiten Bürokratie habe ich diverse Arztpraxen in Nelson nach zwei Tagen wieder verlassen und mich auf den Rückweg gemacht.
Obwohl nun eine Situation eingetreten ist mit der ich so früh noch nicht rechnete, bin ich bereit dazu, mich nieder zu lassen und freue mich auf die vielen Erfahrungen die nun vor mir liegen. Es wird wieder eine große Umstellung sein, mit warmen Wasser duschen zu können wann immer mir danach ist, meine Wasser- und Essensvorräte nicht ständig zu beobachten und voraus zu berechnen, der Wettervorhersage weniger Bedeutung beizumessen, ein richtiges Bett zu haben, aus einem Schrank heraus zu leben, Geld zu verdienen und ein „normales“ Leben zu führen. Aber der neuseeländische Winter steht bevor, der mit Sicherheit genauso viele Abenteuer zu bieten hat. Und der nächste Sommer kommt bestimmt auch!
Eines verspreche ich: ich werde weiter berichten und fotografieren und euch auf dem Laufenden halten!



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