Bericht Nr. 2: Sommer-Weihnacht


By Anne - Posted on 22 Dezember 2010

Der letzte Bericht liegt zwar noch nicht lange zurueck, doch angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes moechte ich euch allen zunaechst ein frohe Feiertage wuenschen und ein paar ruhige Momente hoffentlich im Kreise eurer Liebsten.

Ich lege eine erste laengere Rad-Pause ein, denn ich verbringe Weihnachten bei Freunden im sommelichen Queensland in Australien.
Dass ich eine europaeische Herkunft habe, merke ich gerade jetzt wieder besonders deutlich, denn an Weihnachten in Shorts und Top bei 27 Grad Celsius umher zu laufen und Barbeque auf dem Balkon statt Entenbraten im geheizten Wohnzimmer zu haben, fuehlt sich nicht wirklich nach Weihnachten an. Dann erscheint es schon fast laecherlich, wenn man durch die Strassen laeuft und sich an den Haeuserwaenden hinauf ziehende Weihnachtsmaenner sieht und am Strassenrand ein Kinderchor "White Christmas" traellert.

Nachdem die erste Aufregung meiner Ankunft ueberstanden war, brauchte es zunaechst noch zwei Tage, bis ich mich nach 32 Stunden Gesamtreisezeit wieder als Mensch gefuehlt habe.
Da ich es jedoch kaum erwarten konnte, endlich auf den Strassen zu rollen, die mir von nun an die Welt zeigen, baue mein Rad zusammen, packe meine Taschen und freue mich, dass meine Ausruestung die Fluege unbeschadet ueberstanden hat. Ich entschliesse mich dazu, in den Tagen bis zu meiner erneuten kurzzeitigen Ausreise nach Australien zunaechst "Northland" - den noerdlichsten Teil der Nordinsel kennen zu lernen. Das sollte mir Eingewoehnungszeit geben und hoffentlich erste Beruehungspunkte mit der Kiwi-Kultur geben.
Die ersten Tage im Sattel sind gepraegt von nahezu allen Emotionen: ein Gluecksrausch durchfaehrt mich, als ich den Asphalt auf den ersten Metern unter den Reien spuere und der Fahrtwind auf mein Gesicht trifft. Erschrocken bin ich ueber das Gewicht meines "Hauses", was ich von nun an aus eigener Kraft bewegen werde. Wuetend reagiere ich, als meine Hoffnung wenigstens mal einen Tag den Wind im Ruecken zu haben, stirbt. Unbehagen ist mein Begleiter in der ersten Nacht alleine im Zelt. Magie beschleicht mich, als ich am heiligsten Ort der Maori - Cape Reinga, en noerdlichsten Zipfel der Nordinsel - stehe und zuschaue, wie zwei grosse Ozeamstroemungen aufeinander treffen.
Mit der Offenheit und Freundlichkeit der Kiwis komme ich bereits auf den ersten Kilometern in Beruehrung, als ich mich an einem langen Anstieg wieder finde: 'Wanna cuppa coffee?' MAn hat neben dem Highway gestoppt und laedt mich auf eine Tasse Kaffee ein.
Hier erfahre ich zum wiederholten MAl, dass sich "Northland" in einer Duerreperiode befindet: es hatte seit 6 Wochen nicht geregnet. Vor allem fuer die Farmer ist dies ein Fluch in dieser Gegend, da ihre Existen doch stark vom Niederschlag abhaengt.
Nun, das mit der Duerreperiode ist so eine Sache... Ich habe bereits am zweiten Tag meine Regensachen uebergestuelpt und habe meine Nordtour aufgrund starker Regefaelle frueher abgebrochen als geplant. Einige der Einheimischen fingen sogar an sich lustig ueber mich zu machen und baten mich, auch an ihrer Farm vorbei zu fahren als "Regenbringer".

Seltsam beruehren mich bereits nach kurzer Zeit die Ureinwohner Neuseelands, die Maori. Anders als in Australien, sind sie scheinbar vollkommen in die europaeische Kultur integriert und dennoch gelingt es ihnen, an alten Traditionen festzuhalten. Darueber moechte ich spaeter einmal ausfuehrlich berichten.

Am 01. Januar 2011 fliege ich von Brisbane zurueck nach Auckland, werde mein Rad erneut belden und mein Abendteuer fortsetzen. Und natuerlich berichten... :-)

Frohe Weihnachten wuenscht euch

eure Anne



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