Bericht Nr. 1: Zumindest schon mal registriert!


By Anne - Posted on 13 Dezember 2010

Mein Abenteuer beginnt schon auf der Tuerschwelle zu Hause in Erfurt...
Die Strassen sind mit Schnee bedeckt, ebenso das Schienennetz der Deutschen Bahn, heftiges Schneetreiben ist angekuendigt. Ein Check mit qantas besagt, das mein Flug bis jetzt nicht unter den ueber 400 Gestrichenen ist. Und laut Internet hat mein Zug auch nur 15 Minuten Verspaetung...
Ich komme also zum Bahnhof und auf demGleis steht noch immer der Zug, der laut Fahrplan schon vor einer Stunde losfahren sollte, aber ueber 60 Minuten Verspaetung aufgrund widriger Wetterverhaeltnisse hat.
Der Zugbegleiter laesst mich dennoch an Bord, mit der Begruendung, dass die Strecke nach uns auf unbestimmte Zeit vollgesperrt wird. Nuechtern ergaenzte er, es habe sich jemand vor den Zug geworfen.
Wir wuerden also aufgrund der Umleitungen ueber ICE-untaugliche Strecken mit mindestens 120 Minuten Verspaetung in Fulda ankommen. Wie es von da weiter gehen wuerde, konnte er mir noch nicht beantworten.
Es blieb also nicht viel Zeit zum Abschied nehmen; Traenen hatten in meinem Sorgen- und Angsterfuelltem Gesicht gar keinen Platz mehr.
Im Gepaeckabteil des ICE's bildete sich schnell einen kleine, nette “ICE-Solidar-Gemeinschaft”, die alle mehr oder weniger im gleichen Boot sassen. Nur puenktlich am Flughafen musste keiner sein... Am Ende kam ich mit 2x umsteigen und ueber 200 Minuten Verspaetung am Flughafen an.
Danke fuer die moralische Begleitung in den wie Stunden gefuehlten Minuten des Bangens um meinen Flug!
Die Frau am Check-In Schalter verzog keine Miene als ich mein Rad auf das Gepaeckband stellte und die Waage knapp 27kg statt erlaubten 23kg anzeigte. Die naechste Huerde war genommen! Jetzt darf nur keiner auf die Idee kommen, mein Handgepaeck zu wiegen und ich bin auf der sicheren Seite.
Ich konnte es nicht glauben, dass sich der Flieger tatsaechlich puenktlich 23.20 Uhr dem Rollfeld naeherte. UND: ich mit an Bord!
Der Teil war also geschafft und ich wagte schon beinahe zu glauben, dass nun nichts mehr schief gehen kann. Die Anspannung fiel jedoch noch lange nicht von mir ab.
Nach insgesamt 22 Flugstunden, 32 Reisestunden und der Durchquerung von 12 Zeitzonen binich am 03. Dezember in Auckland gelandet.
Ich wusste bereits von meiner Australienreise, dass die Einreisebestimmungen sehr streng sind und so hatte ich extra vorher Rad, Zelt und Schuhe geputzt. Alles also, was schon einmal mit Erde in Beruehrung gekommen ist und wo die Gefahr bestand, etwas einzuschleppen. Doch die Gefahr, die von mir ausging lauerte wonanders.
Die Dame am Zoll pruefte kritisch mein Visum und fragt mich, ob ich etwas zu verzollen oder zu deklarieren haette. Als ich die Frage verneinte, erklaerte sie mir den Weg zum Buero der Zollbeamten: ich wuerde versuchen illegale Waffen einzufuehren. Ich glaubte mich verhoert zu haben. Sie konnte unmoeglich mich meinen! Sofort begann ich mich fuer mein Taschenmesserim Hauptgepaeck zu rechtfertigen. Etwas anderes waere mir nie in den Sinn gekommen.
Da stand ich nun mit meinem Radkarton auf dem Wagen, Rucksack, Schlafsack, Kameratasche und passte durch keine Tuer. Ich erfuhr auch endlich von meinem Delikt: beim Durchleuchten meines Radkartons wurde mein Pfefferspray entdeckt. Und das zaehlt in Neuseeland als illegale Waffe.
Ich erklaerte den Beamten, dass man es in Deutschland frei kaufen kann, ich alleine mit dem Rad durch Neuseeland fahre und es fuer Notfaelle zur Selbstverteidigung dabei habe. Ich glaube, die beiden Maenner hatten stark damit zu kaempfen, weiterhin ernst drein zu blicken.
Behutsam und freundlich stellten sie mich vor die Tatsache, dass dies alles halb so wild sei, aber sie dennoch die Polizei holen muessen. Ich bekam eine weitere Aufklaerung, musste noch einmal alles zu Protokoll geben und schliesslich meine noch original verpackte Spruehflasche abgeben. Die ganze Prozedur zog sich ueber 2 Stunden hin und ich glaubte schon fast nicht mehr daran, dass mein “Abholer” noch Hoffnung hatte, ich sei mit diesem Flugzeug gekommen. Doch dann wurde ich herzlich von David empfangen; musste natuerlich erstmal meine Verspaetung erklaeren.
Nun war ich vor Muedigkeit und Erschoepfung auch wirklich langsam etwas wackelig auf den Beinen,
Meine letzten Gedanken an diesem Abend vor dem Einschlafen waren: Das ist also Neuseeland! Noch nicht richtig drin und schon polizeilich registriert. Das kann ja heiter werden...



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